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Autismuswelt Magazin

Informationen und Erfahrungen rund um Autismus und die Vergabe des Grades der Behinderung (GdB).

Enrico Köhlmann

Bescheide und Widersprüche bei Autismus: Wie ChatGPT Ihnen Arbeit abnimmt (und wo die Grenzen liegen)

12.07.2026 | Autismus, Künstliche Intelligenz | 0 Kommentare

Prompts, Datenschutz und rechtliche Fallstricke bei GdB, Pflegegrad und Eingliederungshilfe.


Ein Bescheid kann acht Seiten lang sein. Trotzdem entscheidet manchmal ein einziger Satz am Ende darüber, was als Nächstes passieren muss: die Rechtsbehelfsbelehrung mit ihrer Frist.

Wer sich bis dorthin durch Diagnosen, Bewertungen und Verwaltungsdeutsch gearbeitet hat, ist oft bereits erschöpft. Nun soll ausgerechnet in diesem Zustand geprüft werden, was die Behörde angenommen hat, welche Unterlagen fehlen und ob ein Widerspruch nötig ist.

GPT kann dabei viel Arbeit abnehmen. Es kann einen Bescheid zerlegen, eine Zeitleiste anlegen, Widersprüche zwischen Unterlagen markieren und einen Entwurf vorbereiten. Es kann aber keine Frist anhalten. Und es erkennt nicht zuverlässig, ob ein erfundener Rechtssatz gerade glaubwürdig genug klingt, um übersehen zu werden.

Im Sozialrecht beträgt die Widerspruchsfrist häufig einen Monat nach Bekanntgabe. Was im Einzelfall gilt, muss anhand des Bescheids, des tatsächlichen Zugangs und der Rechtsbehelfsbelehrung geprüft werden. § 84 Sozialgerichtsgesetz enthält die gesetzliche Grundregel.

Ich programmiere seit vielen Jahren Anwendungen mit großen Sprachmodellen. Als Vater autistischer Kinder kenne ich außerdem die andere Seite solcher Vorgänge: Die Informationen sind irgendwo vorhanden, aber nicht dort, wo man sie in diesem Moment braucht. Der Kopf soll gleichzeitig Fristen, Befunde, Alltagssituationen, Zuständigkeiten und juristische Begriffe zusammenhalten.

Mein Maßstab ist deshalb einfach: GPT soll nicht entscheiden. Es soll Ordnung schaffen, Lücken sichtbar machen und einen prüfbaren nächsten Schritt vorbereiten.

Was ich in diesem Beitrag mit GPT meine

GPT verwende ich als Oberbegriff für große Sprachmodelle und darauf aufbauende Assistenten. Wo ich konkrete Funktionen wie Projekte, persönliche Anweisungen, Erinnerungen oder vorübergehende Unterhaltungen beschreibe, beziehe ich mich auf ChatGPT. Andere Dienste können ähnliche Funktionen haben, verwenden aber andere Namen, Grenzen und Datenschutzregeln.

Projekte stehen aktuell auch in kostenlosen Konten zur Verfügung. Die Zahl der Dateien hängt vom Tarif ab. Nach der offiziellen Produktdokumentation sind es derzeit 5 Dateien im kostenlosen Tarif, 25 bei Go und Plus sowie 40 bei Pro, Business, Enterprise und Edu. Gleichzeitig lassen sich höchstens 10 Dateien auf einmal hochladen. Diese Angaben können sich ändern. Deshalb ist der verlinkte Hilfetext die maßgebliche Stelle für den aktuellen Stand. Aktuelle Angaben zu Projekten und Limits.

Wichtig: Der technische Dateihöchstwert ist keine Empfehlung, ein Projekt bis zum Limit zu füllen.

Ein zusammengesetztes Beispiel aus typischen Fällen

Das folgende Beispiel ist bewusst verfremdet und verbindet mehrere typische Situationen. Es beschreibt keinen einzelnen konkreten Fall.

Eine Familie erhält einen Bescheid zum Grad der Behinderung. Im Antrag wurden eine Autismusdiagnose, Schwierigkeiten bei Veränderungen, erheblicher Bedarf an Anleitung und Probleme bei der Teilhabe außerhalb vertrauter Abläufe beschrieben. Im Bescheid steht dagegen nur, die Diagnose sei berücksichtigt worden. Wie sie sich im Alltag auswirkt, bleibt offen.

Ein naiver Auftrag an GPT lautet dann vielleicht:

Schreibe einen starken Widerspruch und begründe, warum mindestens ein GdB von 50 festgestellt werden muss.

Das klingt zielgerichtet. Tatsächlich zwingt es das Modell in eine Richtung, bevor die Akte geprüft wurde. Es sucht nun sprachlich nach Gründen für das vorgegebene Ergebnis. Fehlen Tatsachen, kann es die Lücken mit allgemeinen Aussagen über Autismus oder sogar mit erfundenen Rechtsbehauptungen füllen.

Der bessere Anfang lautet:

Vergleiche den Antrag, die Befunde und den Bescheid. Nenne nur Unterschiede, die du mit Dateiname und Seite belegen kannst. Stelle Rückfragen, bevor du einen Widerspruch entwirfst.

Der Aha-Effekt liegt nicht im schöneren Text. Er liegt in der veränderten Reihenfolge. Erst wird geprüft. Erst danach wird geschrieben.

Der Satz „Du bist Fachanwalt“ macht aus GPT keinen Fachanwalt

Viele Promptanleitungen beginnen mit einer Rolle:

Du bist ein erfahrener Fachanwalt für Sozialrecht.

Der Satz kann den Ton verändern. Er kann dafür sorgen, dass das Modell juristische Begriffe verwendet und einen Text strenger aufbaut. Er verleiht dem System aber keine Zulassung, keine Aktenkenntnis und keine Verantwortung.

Ein Rollenprompt verändert die Darstellung. Er verändert nicht die Zuverlässigkeit.

Ich setze GPT bei rechtlichen Vorgängen deshalb nicht als Anwalt ein. Ich verwende es als Aktenleser, Fragensteller, Vergleichswerkzeug und Schreibhilfe.

Ein Aktenleser darf feststellen, dass auf Seite vier des Bescheids eine Annahme steht, für die in den Unterlagen kein Beleg zu finden ist. Er darf eine Zeitleiste aufbauen und widersprüchliche Datumsangaben markieren. Er darf nach einer aktuellen Vorschrift suchen und die Fundstelle nennen.

Er darf nicht so tun, als kenne er Tatsachen, die nicht in der Akte stehen. Bei wichtigen oder unübersichtlichen Verfahren gehört der fertige Entwurf deshalb zu einer fachkundigen Beratungsstelle, einem Sozialverband oder einem Rechtsbeistand. Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung berät Menschen mit Behinderungen und Angehörige bundesweit zu Fragen der Rehabilitation und Teilhabe.

So überzeugend kann eine erfundene Rechtsbehauptung aussehen

Bei frühen Tests mit zu offenen Rechtsfragen fällt immer wieder dasselbe Muster auf: Das Modell formuliert erst das gewünschte Ergebnis und baut anschließend eine passende Begründung darum.

Ein typischer erfundener Satz könnte so aussehen:

Falsch und nur als Warnbeispiel: „Nach § 152 Absatz 4 SGB IX ist bei einer Autismusdiagnose mindestens ein GdB von 50 festzustellen.“

Der Satz klingt juristisch, nennt einen echten Paragraphen und liefert eine klare Zahl. Trotzdem ist er falsch. § 152 Absatz 4 SGB IX enthält keine solche Mindestbewertung. Er betrifft zusätzliche gesundheitliche Merkmale, die Voraussetzung für bestimmte Nachteilsausgleiche sind.

Die Gefährlichkeit liegt nicht nur im Fehler. Sie liegt in seiner Form. Ein erfundener Paragraph ohne Nummer macht misstrauisch. Ein erfundener Inhalt unter einer echten Paragraphennummer wird leichter übernommen.

Bei Rechtstexten muss jede konkrete Norm geöffnet und im Original gelesen werden. Ein Link ist noch kein Beleg dafür, dass der Satz davor stimmt.

Personalisieren Sie die Arbeitsweise, nicht die Diagnose

Bei Personalisierung denken viele zuerst an persönliche Angaben: „Ich bin autistisch“, „Mein Kind ist zwölf Jahre alt“ oder „Es wurde ein Pflegegrad festgestellt“. Solche Informationen können für einen einzelnen Vorgang nötig sein. Als dauerhafte Grundeinstellung sind sie oft zu grob und zu persönlich.

Für eine gute Personalisierung brauche ich keine ausführliche Lebensgeschichte. Ich brauche Regeln für die Zusammenarbeit.

Ich möchte zum Beispiel, dass GPT zuerst offene Fragen stellt. Ich möchte Tatsachen, mögliche Deutungen und fehlende Angaben getrennt sehen. Ich möchte nicht, dass aus dem Wort Autismus Fähigkeiten, Interessen oder Grenzen abgeleitet werden. Bei Rechtsthemen möchte ich genaue Fundstellen und eine sichtbare Kennzeichnung von Unsicherheit.

Dafür eignen sich persönliche oder benutzerdefinierte Anweisungen. Bei ChatGPT lassen sie sich in den Einstellungen hinterlegen. Offizielle Hinweise zu persönlichen Anweisungen.

Beispiel für eine persönliche Grundeinstellung

Antworte auf Deutsch.

Arbeite ruhig und direkt. Vermeide Werbesprache und unnötige Einleitungen.

Leite aus einer Autismusdiagnose keine Interessen, Fähigkeiten oder Grenzen ab.

Trenne in jeder Analyse:

1. belegte Tatsachen
2. mögliche Deutungen
3. fehlende Angaben
4. nächste prüfbare Schritte

Stelle bei unklaren Aufgaben zuerst höchstens drei Fragen.

Bei rechtlichen Themen:

1. nenne Rechtsgebiet und mögliche Zuständigkeit
2. prüfe Datum und mögliche Frist
3. nutze aktuelle amtliche Quellen
4. nenne Paragraph und Stand
5. erfinde keine Tatsachen
6. kennzeichne Unsicherheit
7. verfasse erst einen Entwurf, wenn die Faktenliste bestätigt wurde

Übernimm keine personenbezogenen Daten dauerhaft in Zusammenfassungen, wenn Platzhalter genügen.

Das Interessante liegt darin, was hier nicht steht. Dort steht nicht: „Behandle mich wie einen Autisten.“ Dort steht: „So sollst du arbeiten.“ Die Diagnose wird dadurch nicht zum Filter für jede Antwort.

Erinnerung ist nicht dasselbe wie Verlauf

Bei ChatGPT können je nach Einstellung Informationen aus früheren Gesprächen oder gespeicherte Erinnerungen für spätere Antworten genutzt werden. Eine gespeicherte Erinnerung liegt dabei nicht einfach als Teil des sichtbaren Chatverlaufs vor.

Wer einen Chat löscht, entfernt deshalb nicht zwingend auch eine daraus gespeicherte Erinnerung. Für eine vollständige Entfernung müssen nach der aktuellen Produktbeschreibung sowohl die gespeicherte Erinnerung als auch der ursprüngliche Chat gelöscht werden. Hinweise zur Verwaltung von Erinnerungen.

Löschen ist nicht immer ein einzelner Knopf.

In einer dauerhaften Erinnerung würde ich nur Angaben ablegen, die für viele Gespräche nützlich sind und keinen unnötigen Einblick in das Privatleben geben.

  • Bevorzugte Sprache und gewünschte Antwortlänge
  • Die Bitte um einzelne Fragen statt langer Fragenkataloge
  • Die Regel, Unsicherheiten offen zu nennen
  • Die Bitte, keine Eigenschaften aus einer Diagnose abzuleiten

Diagnosen, Aktenzeichen, Geburtsdaten, Namen behandelnder Personen und genaue Lebensereignisse gehören für mich nicht in eine dauerhafte Erinnerung.

Für selbst eingerichtete GPTs gilt eine Besonderheit: Sie verwenden nach der aktuellen Produktbeschreibung keine gespeicherten Erinnerungen, keine persönlichen Anweisungen und keine früheren Gespräche. Jede neue Unterhaltung beginnt dort grundsätzlich neu. Hinweise zu selbst eingerichteten GPTs.

Ein Projekt ist keine Schublade

Bei einem einzelnen Schreiben kann eine normale Unterhaltung reichen. Sobald mehrere Bescheide, Befunde, Gutachten und Entwürfe zusammenkommen, nutze ich lieber ein eigenes Projekt.

Ein Projekt bündelt Gespräche, Dateien und eigene Anweisungen. Das ist nützlich, weil der Arbeitsstand an einem Ort bleibt. Es ist aber auch riskant, wenn alles gesammelt wird, was irgendwie mit der betroffenen Person zu tun hat.

Ein Projekt speichert nicht nur Unterlagen. Es bestimmt, welche Vergangenheit bei der nächsten Antwort mit am Tisch sitzt.

Darum würde ich für jeden Vorgang ein eigenes Projekt anlegen: eines für den Grad der Behinderung, eines für den Pflegegrad, eines für einen Nachteilsausgleich und eines für Fragen am Arbeitsplatz. Alte und neue Verfahren sollten nicht vermischt werden, wenn sie unterschiedliche Ziele und Entscheidungsgrundlagen haben.

Das Context Window setzt eine technische Grenze

Für fortgeschrittene Leser ist ein technischer Begriff hilfreich: Sprachmodelle arbeiten mit einem begrenzten Context Window, auf Deutsch Kontextfenster. Es beschreibt vereinfacht die Menge an Text, die ein Modell bei einer Antwort gleichzeitig berücksichtigen kann. Die Größe unterscheidet sich je nach Modell und Tarif. OpenAI beschreibt dafür modellabhängige Tokenlimits.

Bei großen Dokumentmengen wird nicht zwangsläufig jede PDF Seite vollständig und gleichzeitig im aktiven Kontext gehalten. Systeme können zusätzlich Suchindizes verwenden und für eine Antwort nur ausgewählte Textstellen heranziehen. Zu viele PDF Seiten, mehrere Fassungen desselben Dokuments und sachfremde Anlagen erhöhen deshalb das Risiko, dass eine wichtige Stelle übersehen, falsch gewichtet oder nicht abgerufen wird. Die technische Dokumentation zu Dateiabrufen erläutert dieses Zusammenspiel aus Kontextfenster und Dokumentensuche.

Die Dateigrenze sagt, wie viel hochgeladen werden darf. Sie sagt nicht, wie viel für eine zuverlässige Prüfung sinnvoll ist.

Meine praktische Regel ist keine starre Seitenzahl: Ich beginne mit dem angegriffenen Bescheid, dem ursprünglichen Antrag, den wichtigsten Befunden und einer kurzen eigenen Zeitleiste. Meist sind drei bis acht sorgfältig ausgewählte Dateien ein besserer Start als ein ungeordnetes Archiv mit fünfzig PDFs. Weitere Unterlagen kommen erst hinzu, wenn eine konkrete Frage sie nötig macht.

Eine brauchbare Projektordnung

01 Bescheid

02 Antrag und bisherige Schreiben

03 entscheidende Befunde und Stellungnahmen

04 bestätigte Beschreibung der Teilhabebeeinträchtigungen

05 Zeitleiste mit Datum und Zugang

06 offene Fragen

07 Entwürfe

08 versandte Endfassung

Dateinamen sollten Datum und Inhalt enthalten. „Scan 004 neu wirklich final“ hilft weder dem Nutzer noch dem Modell.

Beispiel für Projektanweisungen

Dieses Projekt betrifft ausschließlich das Verfahren [ART DES VERFAHRENS].

Nutze nur Informationen aus diesem Projekt.

Wenn sich Dokumente widersprechen, nenne beide Stellen mit Dateiname und Seite.

Zitiere Tatsachen aus Unterlagen mit:

Dateiname
Seite
kurzer Inhalt

Erfinde keine fehlenden Angaben.

Verwende für die betroffene Person den Platzhalter [PERSON].

Bevor du einen Schriftsatz entwirfst, erstelle:

1. eine Zeitleiste
2. eine Liste der gesicherten Tatsachen
3. eine Liste fehlender Nachweise
4. eine Liste möglicher Gegenargumente der Behörde

Kennzeichne jede Rechtsquelle mit Paragraph, Fassung und Abrufdatum.

Verwende vorrangig amtliche Quellen.

Training, Erinnerung und Speicherung sind drei verschiedene Dinge

Training bedeutet, dass Inhalte zur Verbesserung künftiger Modelle verwendet werden können.

Erinnerung bedeutet, dass Angaben später zur Personalisierung herangezogen werden.

Speicherung bedeutet, dass ein Gespräch oder eine Datei noch im Konto oder auf Systemen des Anbieters vorhanden ist.

Wer das Training ausschaltet, hat damit weder Erinnerungen ausgeschaltet noch alte Gespräche gelöscht.

In persönlichen ChatGPT Konten lässt sich unter den Datenkontrollen die Einstellung „Das Modell für alle verbessern“ ausschalten. Neue Gespräche bleiben dann im Verlauf, werden aber nicht zum Training verwendet. Offizielle Hinweise zu den Datenkontrollen.

Eine vorübergehende Unterhaltung erscheint nicht im normalen Verlauf, erzeugt keine Erinnerung und wird nicht zum Training verwendet. Eine Kopie kann aus Sicherheitsgründen dennoch bis zu 30 Tage aufbewahrt werden. Hinweise zu vorübergehenden Unterhaltungen.

Vorübergehend bedeutet nicht unsichtbar.

Bei Business, Enterprise und API Angeboten werden Inhalte nach den aktuellen Anbieterangaben standardmäßig nicht zum Modelltraining verwendet, sofern nicht ausdrücklich zugestimmt wird. Die konkrete Vertragslage und die Einstellungen des eigenen Arbeitsbereichs müssen trotzdem geprüft werden. Informationen zum Datenschutz für Geschäftskunden.

Bei fremden GPTs endet der Datenweg nicht an der Chatoberfläche

Ein öffentlich angebotenes oder selbst eingerichtetes GPT kann externe Anwendungen und Programmierschnittstellen verwenden. Dann können passende Teile einer Eingabe an einen weiteren Dienst übertragen werden.

Der Ersteller eines GPT kann einzelne Unterhaltungen nach der aktuellen Produktbeschreibung nicht einsehen. Ein verbundener externer Dienst kann jedoch Daten erhalten, die für seine Funktion übermittelt werden. Für deren Speicherung gelten eigene Bedingungen. Hinweise zu GPTs, Aktionen und externen Diensten.

Vor dem Hochladen eines Gutachtens prüfe ich deshalb:

  • Verwendet das GPT externe Anwendungen oder Aktionen?
  • Welche Angaben werden an den fremden Dienst übertragen?
  • Ist die Verbindung für den konkreten Vorgang nötig?
  • Kann dieselbe Aufgabe in einem normalen Projekt ohne externe Verbindung erledigt werden?

Ein überzeugender Beschreibungstext und ein hübsches Symbol sagen nichts darüber aus, welchen Weg die Daten nehmen.

Datenschutz beginnt vor dem Hochladen

Autismusdiagnosen, Pflegegutachten und medizinische Berichte enthalten Gesundheitsdaten. Diese gehören nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung zu den besonders geschützten Kategorien personenbezogener Daten. Datenschutz Grundverordnung im amtlichen Text.

Ich beginne deshalb nicht mit dem Original, sondern mit einer Arbeitskopie. Darin ersetze ich Namen durch Platzhalter und entferne Angaben, die für die Aufgabe nicht gebraucht werden.

  • Name und Anschrift
  • Geburtsdatum
  • Aktenzeichen und Versicherungsnummer
  • Unterschriften und maschinenlesbare Codes
  • Namen von Ärzten, Schulen und Sachbearbeitern, sofern sie für die Prüfung keine Rolle spielen
  • Metadaten und Kommentare in der Datei, soweit möglich

So arbeite ich mit Platzhaltern

[PERSON] = tatsächlicher Name

[BEHÖRDE] = tatsächliche Behörde

[ARZT 1] = behandelnde Person

[SCHULE] = tatsächliche Schule

[AKTENZEICHEN] = tatsächliches Aktenzeichen

Diese Zuordnung bleibt auf dem eigenen Gerät. Den Entwurf lasse ich mit Platzhaltern erstellen. Erst in der lokalen Textverarbeitung ersetze ich sie mit der Funktion „Suchen und Ersetzen“. Danach kontrolliere ich jede Ersetzung einzeln und speichere die Versandfassung unter einem neuen Dateinamen.

Nur einen schwarzen Balken über einen Namen zu legen, genügt nicht immer. Bei ungeeigneten PDF Werkzeugen kann der darunterliegende Text weiterhin kopierbar sein. Sicherer ist eine echte Schwärzungsfunktion oder eine neu erzeugte Arbeitskopie, in der die Angaben entfernt wurden.

Nicht die ganze Akte hochladen, nur weil sie vorhanden ist. Erst die Frage bestimmen, dann die nötigen Unterlagen auswählen.

Wann ich GPT nicht allein verwenden würde

GPT eignet sich zum Ordnen, Vergleichen, Prüfen und Formulieren. Es eignet sich nicht als einzige Absicherung, wenn ein Fehler schwer rückgängig zu machen wäre.

Ich würde unmittelbar fachkundige Hilfe hinzunehmen, wenn:

  • eine Frist am selben oder am folgenden Tag endet
  • bereits eine Klage, ein Eilverfahren oder eine Vollstreckung im Raum steht
  • Leistungen beendet wurden und die Versorgung akut gefährdet ist
  • mehrere Leistungsträger um die Zuständigkeit streiten
  • ein umfangreiches medizinisches Gutachten fachlich angegriffen werden soll
  • die Offenlegung von Gesundheitsdaten arbeitsrechtliche oder andere weitreichende Folgen haben kann
  • der Sachverhalt nicht vollständig dokumentiert ist und Erinnerung, Akte und Aussagen verschiedener Beteiligter auseinandergehen

Die Grenze ist nicht die Länge des Bescheids. Die Grenze ist das mögliche Ausmaß eines Fehlers.

Der beste Prompt enthält eine Bremse

Ein schlechter rechtlicher Prompt lautet:

Schreibe mir einen perfekten Widerspruch.

Das Modell kennt weder die vollständige Akte noch die fehlenden Beweise. Trotzdem wird es versuchen, einen vollständigen Text zu erzeugen. Genau darin liegt die Gefahr.

Ein guter Auftrag arbeitet in Stufen: zuerst Analyse, dann Rückfragen, danach Belege und erst am Ende ein Entwurf.

Ich verwende dafür fünf Bausteine:

  1. Auftrag
  2. Unterlagen
  3. Grenzen
  4. Ausgabe
  5. Prüfung

Universeller Startprompt

Auftrag:

Hilf mir, diesen Vorgang zu prüfen.
Erstelle noch keinen fertigen Schriftsatz.

Unterlagen:

Nutze ausschließlich die hochgeladenen Dokumente und aktuelle amtliche Rechtsquellen.

Grenzen:

Erfinde keine Tatsachen.

Berechne keine Frist, wenn Zugang oder Zustellung nicht belegt sind.

Unterstelle keine Einschränkung allein wegen der Diagnose.

Kennzeichne jede unsichere Aussage.

Ausgabe:

1. Zeitleiste
2. Inhalt der Entscheidung
3. Begründung der Behörde
4. Tatsachen, auf die sie sich stützt
5. nicht berücksichtigte Unterlagen
6. offene Fragen
7. mögliche rechtliche Prüfpunkte
8. benötigte Nachweise

Prüfung:

Nenne am Ende drei mögliche Fehler deiner eigenen Analyse.

Ein Prompt hält keine Frist an

Bevor eine Vorlage verwendet wird, müssen Bescheiddatum, tatsächlicher Zugang und Rechtsbehelfsbelehrung geprüft werden. Im sozialgerichtlichen Verfahren ist ein Widerspruch grundsätzlich binnen eines Monats nach Bekanntgabe einzulegen. Beteiligte können außerdem Akteneinsicht verlangen, soweit dies zur Wahrnehmung ihrer rechtlichen Interessen nötig ist. Maßgeblich sind insbesondere § 84 SGG und § 25 SGB X.

Gegen einen Bescheid zum Grad der Behinderung wird in der Regel Widerspruch eingelegt, nicht Einspruch.

Ein kurzer Widerspruch kann häufig zunächst die Frist sichern. Die Begründung kann nach Akteneinsicht ergänzt werden. Ob dieses Vorgehen im konkreten Verfahren passt, muss anhand des Bescheids und der zuständigen Stelle geprüft werden.

Promptbeispiele für Autismus und Sozialrecht

Hinweis zur Bedienung: Die folgenden Promptbeispiele sind zunächst eingeklappt. Klicken Sie links neben dem jeweiligen Titel auf den kleinen Pfeil, um das Beispiel zu öffnen.

Prompt 1: Einen Bescheid verstehen, bevor etwas geschrieben wird
Ich möchte einen sozialrechtlichen Bescheid prüfen.

Verfahren:

[ART DES VERFAHRENS]

Behörde:

[BEHÖRDE]

Bescheiddatum:

[DATUM]

Tatsächlicher Zugang:

[DATUM ODER UNBEKANNT]

Beantragt wurde:

[ANTRAG]

Entschieden wurde:

[ENTSCHEIDUNG]

Arbeite zunächst nur als Dokumentenprüfer.

Erstelle:

1. eine Zeitleiste
2. die mögliche Frist mit Rechenweg
3. einen Hinweis, falls für die Frist Angaben fehlen
4. eine Gegenüberstellung von Antrag und Entscheidung
5. alle Tatsachenbehauptungen der Behörde
6. die dafür genannten Belege
7. Widersprüche zwischen Bescheid und Unterlagen
8. nicht behandelte Befunde oder Lebensbereiche
9. Rückfragen an mich
10. aktuelle amtliche Rechtsquellen

Verfasse noch keinen Widerspruch.

Zitiere jede Aussage aus der Akte mit Dateiname und Seite.

Erfinde nichts.

Wenn etwas nicht belegt ist, schreibe:

nicht belegt
Prompt 2: Ein kurzer Widerspruch zur Sicherung der Frist
Formuliere einen kurzen sachlichen Widerspruch gegen den beigefügten Bescheid.

Ziel:

Die Entscheidung vollständig anfechten und die Frist wahren.

Nimm nur folgende gesicherte Angaben auf:

[ANGABEN]

Bitte außerdem um:

1. schriftliche Eingangsbestätigung
2. Akteneinsicht nach § 25 SGB X
3. Übersendung aller Gutachten, Stellungnahmen und Bewertungsunterlagen
4. Gelegenheit, die Begründung nach Akteneinsicht zu ergänzen

Prüfe die Rechtsbehelfsbelehrung und nenne mir vor dem Entwurf:

1. Empfänger
2. zulässige Übermittlungsform
3. mögliche Frist
4. fehlende Angaben

Erfinde keine Gründe.

Nenne keinen höheren GdB und kein Merkzeichen, sofern ich dies nicht ausdrücklich vorgebe.

Schreibe keine Rechtsbehauptung ohne amtliche Quelle.
Prompt 3: Einen Widerspruch zum Grad der Behinderung vorbereiten
Ich bereite die Begründung eines Widerspruchs gegen die Feststellung des Grades der Behinderung vor.

Nutze:

1. den Bescheid
2. die medizinischen Unterlagen
3. meine bestätigte Beschreibung der Teilhabebeeinträchtigungen
4. die aktuelle Versorgungsmedizin Verordnung
5. § 152 SGB IX
6. weitere aktuelle amtliche Quellen, soweit nötig

Prüfe getrennt:

1. Welche Diagnosen wurden anerkannt?
2. Welche Diagnosen wurden übergangen oder nur genannt?
3. Welche Auswirkungen auf die Teilhabe wurden berücksichtigt?
4. Welche Auswirkungen wurden nicht behandelt?
5. Welcher Unterstützungsbedarf besteht in Bildung, Arbeit, öffentlichem Leben und häuslichem Leben?
6. Welche Anleitung, Begleitung, Beaufsichtigung oder besondere Förderung ist nötig?
7. Welche weiteren Gesundheitsstörungen liegen eigenständig vor?
8. Wie beeinflussen sich die Beeinträchtigungen gegenseitig?
9. Hat die Behörde Einzelwerte unzulässig addiert?
10. Hat sie relevante Wechselwirkungen übersehen?

Erstelle zuerst eine strukturierte Gegenüberstellung mit:

Behauptung der Behörde

Aktenbeleg

Gegenbeleg

fehlender Nachweis

rechtlicher Prüfmaßstab

Verfasse danach einen sachlichen Entwurf.

Verwende nur Beispiele, die ich bestätigt habe.

Erfinde keine Alltagssituation.

Behaupte keinen bestimmten GdB, wenn die Tatsachen dafür nicht ausreichen.

Nenne bei jeder rechtlichen Aussage Paragraph und amtliche Quelle.
Prompt 4: Akteneinsicht anfordern
Formuliere einen Antrag auf Akteneinsicht nach § 25 SGB X.

Verfahren:

[VERFAHREN]

Bescheid:

[DATUM]

Aktenzeichen:

[AKTENZEICHEN]

Bitte um vollständige Einsicht in die verfahrensbezogenen Unterlagen, insbesondere:

1. medizinische Stellungnahmen
2. versorgungsärztliche oder gutachterliche Bewertungen
3. angeforderte und eingegangene Befundberichte
4. interne Berechnungen und Bewertungsbögen, soweit zugänglich
5. Vermerke über nicht berücksichtigte Unterlagen
6. Dokumentation der Entscheidungsgrundlage

Bitte vorrangig um eine elektronische Kopie.

Bitte außerdem darum, mir nach Erhalt der Unterlagen eine angemessene Möglichkeit zur Ergänzung meiner Widerspruchsbegründung zu geben.

Schreibe höflich und knapp.

Unterstelle keinen Verfahrensfehler.

Nenne nur Rechte, die du anhand aktueller amtlicher Quellen geprüft hast.
Prompt 5: Einen Pflegegradbescheid prüfen
Prüfe den Pflegegradbescheid und das Gutachten nach §§ 14 und 15 SGB XI.

Betroffene Person:

[KIND ODER ERWACHSENER]

Alter:

[ALTER]

Vergleiche jede Feststellung des Gutachtens mit meinen bestätigten Angaben.

Prüfe die sechs Bereiche:

1. Mobilität
2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Umgang mit krankheitsbezogenen und therapiebezogenen Anforderungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Erfasse nicht nur körperliche Hilfe, sondern auch:

Anleitung

Erinnerung

Motivation

Beaufsichtigung

Übernahme von Planung

Unterstützung bei Veränderungen

Schutz vor Gefahren

Bei einem Kind:

Vergleiche nur mit einem altersentsprechend entwickelten Kind.

Benenne, welche Hilfe über das für dieses Alter übliche Maß hinausgeht.

Erstelle zuerst:

1. eine Übersicht der Module
2. die Bewertung des Gutachtens
3. meine belegten Gegenangaben
4. fehlende Nachweise
5. mögliche fehlerhafte Einstufungen

Berechne Punkte nur, wenn die Angaben ausreichen.

Zeige den Rechenweg.

Erfinde keine Häufigkeit und keinen Hilfebedarf.

Verfasse erst nach meiner Bestätigung einen Widerspruchsentwurf.
Prompt 6: Eingliederungshilfe, Schulbegleitung und Teilhabe an Bildung
Ich möchte einen Antrag oder Widerspruch wegen einer Hilfe zur Teilhabe an Bildung vorbereiten.

Bundesland:

[BUNDESLAND]

Alter:

[ALTER]

Schulform oder Bildungseinrichtung:

[EINRICHTUNG]

Beantragte Hilfe:

[HILFE]

Zuständige Stelle laut Bescheid:

[STELLE]

Diagnosen und Befunde:

[NUR BESTÄTIGTE ANGABEN]

Konkrete Teilhabebarrieren:

[ANGABEN]

Bisherige Unterstützung und Wirkung:

[ANGABEN]

Prüfe zuerst:

1. welche Stelle zuständig sein könnte
2. ob SGB IX, SGB VIII, Landesrecht oder mehrere Regelwerke zu prüfen sind
3. welches konkrete Teilhabeziel verfolgt wird
4. welche Barriere ohne Hilfe bestehen bleibt
5. ob die beantragte Hilfe geeignet und erforderlich begründet ist
6. welche anderen Hilfen die Behörde entgegenhalten könnte
7. welche Nachweise fehlen

Nutze nur aktuelle amtliche Quellen.

Erstelle noch keinen Antrag, bevor Zuständigkeit und Rechtsgrundlage geklärt sind.

Verfasse danach einen Entwurf, der nicht nur die Diagnose wiederholt.

Verbinde stattdessen:

Barriere

Unterstützungsbedarf

Teilhabeziel

erwartete Wirkung
Prompt 7: Einen Nachteilsausgleich vorbereiten
Hilf mir, einen Antrag auf Nachteilsausgleich vorzubereiten.

Bereich:

[SCHULE AUSBILDUNG STUDIUM PRÜFUNG]

Bundesland:

[BUNDESLAND]

Einrichtung:

[EINRICHTUNG]

Prüfungsordnung oder Schulordnung:

[DATEI ODER AMTLICHE FUNDSTELLE]

Konkrete Barriere:

[BEISPIEL]

Beantragte Anpassung:

[BEISPIEL]

Erkläre zuerst:

1. welche amtlichen Regeln gelten
2. welche Nachweise verlangt werden können
3. ob die beantragte Anpassung die fachlichen Anforderungen unberührt lässt
4. wie Barriere und Anpassung sachlich verbunden werden können
5. welche Formulierungen zu allgemein sind

Erstelle danach einen kurzen Antrag.

Vermeide Aussagen darüber, was Autisten allgemein brauchen.

Beschreibe nur den konkreten Bedarf.

Unterscheide zwischen:

einem rechtlichen Anspruch

einer Entscheidung mit Beurteilungsspielraum

einem Verhandlungsvorschlag
Prompt 8: Anpassungen am Arbeitsplatz
Hilf mir, ein Gespräch oder einen schriftlichen Antrag auf behinderungsgerechte Anpassung am Arbeitsplatz vorzubereiten.

Beschäftigungsstatus:

[ANGABE]

GdB:

[ANGABE ODER NICHT VORHANDEN]

Gleichstellung:

[JA NEIN UNKLAR]

Tätigkeit:

[ANGABE]

Konkrete Arbeitsbarriere:

[ANGABE]

Auswirkung auf die Arbeit:

[ANGABE]

Vorgeschlagene Anpassung:

[ANGABE]

Prüfe:

1. ob § 164 SGB IX einschlägig sein könnte
2. welche weitere Rechtsgrundlage zu prüfen ist
3. ob meine gewünschte Maßnahme als Anspruch oder als Vorschlag bezeichnet werden sollte
4. welche betrieblichen Gegenargumente möglich sind
5. welche Alternativen dasselbe Ziel erreichen könnten
6. welche Gesundheitsangaben für den Antrag tatsächlich nötig sind

Formuliere sachlich.

Nenne nur notwendige Gesundheitsangaben.

Beschreibe die Arbeitsbarriere und die erwartete Wirkung der Anpassung.

Behaupte nicht, dass jede vorgeschlagene Maßnahme zwingend gewährt werden muss.

Der Kontrollprompt kommt ganz am Ende

Bevor ein Entwurf versendet wird, lasse ich GPT gegen den eigenen Text arbeiten. Das Modell soll den Entwurf nicht verteidigen, sondern nach Schwächen suchen.

Prüfe den folgenden Entwurf zuerst wie ein kritischer Sachbearbeiter und danach wie ein unabhängiger Rechtsprüfer.

Suche nach:

1. Tatsachen ohne Beleg
2. unklaren Daten
3. falschen oder veralteten Paragraphen
4. übertriebenen Aussagen
5. Widersprüchen zu den Anlagen
6. fehlenden Gegenargumenten
7. unnötigen personenbezogenen Daten
8. Vermutungen, die als Tatsachen formuliert wurden
9. Anträgen, die nicht eindeutig sind
10. Stellen, an denen fachliche Beratung nötig ist

Ändere den Text noch nicht.

Erstelle zuerst eine Fehlerliste.

Nenne zu jedem Fehler:

1. Fundstelle
2. Schweregrad
3. Begründung
4. Verbesserungsvorschlag

Prüfe anschließend deine eigene Fehlerliste auf mögliche Fehlannahmen.

Sprachliche Sicherheit ist kein Beweis für rechtliche Stärke. Ein guter Kontrolllauf sucht deshalb nicht nach schöneren Formulierungen, sondern nach unbelegten Tatsachen, falschen Normen und unklaren Anträgen.

Was GPT bei einem Rechtsvorgang nicht bekommen sollte

Ich würde GPT keine Aufgabe geben, die lautet:

Finde Gründe, damit ich auf jeden Fall gewinne.

Der Auftrag lädt dazu ein, Tatsachen passend zu machen. Besser ist:

Finde die stärksten und die schwächsten Punkte meiner Position.

Ich würde auch nicht verlangen, emotionaler oder dramatischer zu schreiben. Ein Bescheid wird nicht dadurch falsch, dass ein Widerspruch eindringlicher klingt. Der stärkere Text zeigt, welche Feststellung nicht zur Akte passt, welcher Lebensbereich übergangen wurde und welcher Nachweis die eigene Aussage trägt.

Und ich würde nie schreiben: „Nimm an, dass meine Erinnerung stimmt.“ Gerade bei langen Verfahren unterscheiden sich Erinnerung, Dokument und Datum. GPT sollte diese Unterschiede sichtbar machen, nicht eine Seite auswählen.

Mein Fazit

GPT kann bei Autismus und Sozialrecht sehr nützlich sein. Nicht weil es Recht wie ein Jurist versteht. Es hilft, weil es große Textmengen ordnen, Unterschiede markieren und einen unübersichtlichen Vorgang in einzelne Arbeitsschritte zerlegen kann.

Die beste Personalisierung besteht dabei nicht aus möglichst vielen persönlichen Angaben. Sie besteht aus Regeln für eine gute Zusammenarbeit.

Das beste Projekt enthält nicht jede verfügbare Datei. Es enthält die Unterlagen, die zur aktuellen Frage gehören. Das begrenzte Kontextfenster macht diese Auswahl nicht nur organisatorisch, sondern auch technisch wichtig.

Die beste Datenschutzeinstellung ersetzt nicht die Entscheidung, was überhaupt hochgeladen wird.

Und der beste Prompt ist nicht der längste. Es ist der Prompt, der dem Modell verbietet, Lücken selbst zu füllen.

Ein System wird nicht vorsichtig, nur weil sein Thema empfindlich ist. Vorsicht muss in den Ablauf eingebaut werden.

Bei rechtlichen Vorgängen bedeutet das: Erst die Frist. Dann die Akte. Dann die Fragen. Dann die Belege. Erst danach der Text.

GPT kann diesen Weg leichter machen. Gehen und verantworten muss ihn weiterhin ein Mensch.


Quellen und weiterführende Hinweise

  1. Sozialgerichtsgesetz, § 84 zur Widerspruchsfrist
  2. Sozialgesetzbuch Zehntes Buch, § 25 zur Akteneinsicht
  3. Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, § 152 zur Feststellung der Behinderung
  4. Versorgungsmedizin Verordnung mit den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen
  5. Sozialgesetzbuch Elftes Buch, § 14 zum Begriff der Pflegebedürftigkeit
  6. Sozialgesetzbuch Elftes Buch, § 15 zur Ermittlung des Pflegegrades
  7. Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, § 112 zur Teilhabe an Bildung
  8. Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, § 113 zur sozialen Teilhabe
  9. Sozialgesetzbuch Achtes Buch, § 35a
  10. Sozialgesetzbuch Neuntes Buch, § 164 zu Pflichten des Arbeitgebers und Rechten schwerbehinderter Beschäftigter
  11. Datenschutz Grundverordnung, insbesondere Artikel 9 zu Gesundheitsdaten
  12. OpenAI: Projekte in ChatGPT und aktuelle Dateigrenzen
  13. OpenAI: Token und Kontextgrenzen
  14. OpenAI: Verarbeitung größerer Dokumentmengen
  15. OpenAI: Erinnerungen verwalten
  16. OpenAI: Datenkontrollen
  17. OpenAI: Vorübergehende Unterhaltungen
  18. Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung

Hinweis: Dieser Beitrag vermittelt allgemeine Informationen und eine Arbeitsmethode. Er ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls durch eine fachkundige Beratungsstelle oder einen Rechtsbeistand.

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Enrico Köhlmann

Enrico Köhlmann ist CEO und Softwareentwickler spezialisiert auf die Entwicklung von LLM (KI Modelle) und ein eigenen ERP System. Als Mitgründer von autismuswelt.de engagiert er sich als Co-Autor insbesondere für Transparenz rund um das GdB-Verfahren bei Autismus. Gemeinsam mit seiner fachkundigen Frau Gesine sammelt und strukturiert er Erfahrungsberichte, entwickelt die GdB-Umfrage weiter und macht typische bürokratische Hürden durch klare Auswertungen und Visualisierungen sichtbar. Sein Ziel ist es, Betroffenen und ihren Familien ein besseres Verständnis für Abläufe und Entscheidungskriterien der Behörden zu ermöglichen – und so eine Grundlage für faire und nachvollziehbare Verfahren zu schaffen.