• Autismuswelt
  • 5
  • Grad der Behinderung Autismus: Umfrage-Auswertung 2025

Autismuswelt Magazin

Informationen und Erfahrungen rund um Autismus und die Vergabe des Grades der Behinderung (GdB).

Enrico Köhlmann

Grad der Behinderung Autismus: Umfrage-Auswertung 2025

17.01.2026 | Umfragen, Umfrage GdB | 0 Kommentare

Lesedauer: ca. 6 Minuten · Stand: 22.01.2026

Danke! Ihr habt diese Umfrage möglich gemacht. Viele von euch haben trotz Stress, Ärger oder Erschöpfung geantwortet. Das ist nicht selbstverständlich. Diese Seite ist bewusst nicht wissenschaftlich geschrieben. Sie soll verständlich sein, motivieren und euch einordnen helfen.

Kurz gesagt: Eure Antworten zeichnen ein Bild von einem System, das bei Grad der Behinderung Autismus sehr unterschiedlich entscheidet. Und sie zeigen: Viele kommen erst über Widerspruch oder Klage zu einem Ergebnis, das sich für sie „passend“ anfühlt.

Die wichtigsten Zahlen (aus eurer Umfrage)

  • 1.186 vollständig abgeschlossene Teilnahmen.
  • 1.089 davon mit einem bewilligten numerischen GdB im Erstantrag (20 bis „80 oder höher“).
  • 42,9% der bewilligten Erstanträge lagen bei GdB < 50 (also 20/30/40).
  • 3,5% berichteten: Antrag wurde abgelehnt.
  • 4,7% berichteten: Noch keine Entscheidung (genau dafür ist die Dauerumfrage wichtig).

Bundesländer: Es fühlt sich nicht gleich an und die Zahlen passen dazu

Wenn wir nur Bundesländer mit ausreichend vielen Antworten betrachten (mindestens 20 Teilnahmen), dann schwankt der Anteil GdB < 50 im Erstantrag stark. Beispiele aus euren Daten:

  • hoch: Sachsen-Anhalt (61,2%), Brandenburg (57,6%), Berlin (51,8%)
  • niedrig: Nordrhein-Westfalen (31,9%), Bayern (36,8%), Schleswig-Holstein (37,5%)

Das ist keine amtliche Statistik und nicht repräsentativ. Es handelt sich um Selbstauskünfte aus einer freiwilligen Stichprobe. Die Zahlen zeigen Hinweise – keine beweisenden Aussagen über Behördenpraxis.

Bundeslandvergleich GdB Autismus: Anteil GdB unter 50 im Erstantrag – Schwerbehindertenausweis Autismus

Seit 2011: „Schwerbehindertenausweis Autismus“ wird offenbar schwieriger

Wenn wir nach Antragsjahren trennen (≤2010 vs. ≥2011), dann wirkt es so, als ob ein GdB ≥ 50 nach 2010/2011 häufiger nicht mehr erreicht wird. In euren Daten lag der Anteil GdB ≥ 50 bei:

  • ≤2010: 76,3%
  • ≥2011: 56,4%

Das kann viele Gründe haben. Trotzdem passt es zu dem, was viele seit Jahren berichten: Seit der stärkeren Gewichtung „sozialer Anpassungsschwierigkeiten“ müssen Betroffene häufiger kämpfen, bis die Einschränkungen anerkannt werden.

Widerspruch lohnt sich oft zumindest berichten das sehr viele von euch

Eure Antworten zeigen: Widerspruch ist eher die Regel als die Ausnahme. In den Fällen mit Erstentscheidung oder Ablehnung wurde in 54,2% ein Widerspruch eingelegt.

Und: Wenn ein Widerspruch bereits mit einem Bescheid beendet war, dann berichteten 85,2% danach einen höheren GdB. Das fühlt sich für viele so an, als ob der erste Bescheid oft „zu niedrig startet“.

Klage: selten angenehm, aber oft wirksam

Klage wurde nur in bestimmten Situationen abgefragt (wenn Widerspruch schon entschieden oder abgelehnt war). In dieser Teilgruppe meldeten 32,2% Klage (eingereicht oder offen). Von den abgeschlossenen Klagen endeten 82,2% mit Erfolg oder Vergleich.

Ein provokanter Gedanke (Hypothese): Viele Verfahren scheinen erst dann „in Bewegung“ zu kommen, wenn Betroffene nachlegen mit Widerspruch, Gutachten, anwaltlicher Hilfe oder Klage. Viele Betroffene berichten den Eindruck, dass zusätzliche Nachweise und Rechtsmittel (Widerspruch/Klage) häufiger zu Änderungen führen. Unsere Daten zeigen hierzu Zusammenhänge, beweisen aber keine Ursache‑Wirkung.

Warum sind die Unterschiede so groß? (Hypothesen bewusst etwas mutiger formuliert)

  • Unterschiedliche Auslegung: Die VersMedV lässt Spielraum. Manche Stellen werten denselben Alltag offenbar strenger, andere großzügiger.
  • Unterschiedliche Expertise: Nicht überall sitzt auf Sachbearbeitungsebene jemand mit Autismus-Erfahrung oder guter Schulung. Das kann Entscheidungen stark prägen.
  • Unterschiedliche Aktenlage: Wer mehr Berichte, Diagnosen, Nachweise und Unterstützungsbedarf dokumentiert, bekommt eher ein anderes Bild in der Akte.
  • Unterschiedliche „Kultur“ bei Widerspruch/Klage: In manchen Regionen wird schneller nachgebessert, in anderen erst nach Druck durch Rechtsmittel.
Bundesländer: adjustierter Effekt auf GdB ≥ 50 (Odds Ratios) – Bundeslandvergleich GdB Autismus

Warum wir jetzt eine Dauerumfrage brauchen

Viele Verfahren laufen lange. Und viele Ergebnisse ändern sich erst später: nach Widerspruch, nach Klage oder nach einer Revision. Wenn wir nur einmal messen, sehen wir nur den Start. Wenn wir regelmäßig messen, sehen wir die Entwicklung und genau die ist politisch und gesellschaftlich entscheidend.

Mach weiter mit: Dauerumfrage ab 01.03.2026

Bitte nimm an der Dauerumfrage teil oder trage später nach, wenn sich dein Verfahren geändert hat (Widerspruch/Klage). Jede Nachmeldung macht die Daten stärker. Zur Dauerumfrage

So kannst du konkret helfen

  • Teilnehmen (auch wenn dein Verfahren „noch offen“ ist).
  • Nachtragen, sobald du einen Bescheid nach Widerspruch oder Klage bekommst.
  • Teilen in Gruppen, bei Autismusambulanzen, Therapeut*innen, Selbsthilfe.
  • Dranbleiben: Auch „unspektakuläre“ Fälle sind wichtig, damit die Daten nicht nur extreme Verläufe abbilden.

Wichtig: Das ist keine Rechtsberatung. Wenn du Hilfe brauchst, such dir Unterstützung (z.B. EUTB oder Selbsthilfe/Verbände). Aber eure Zahlen zeigen klar: Viele Menschen erreichen Verbesserungen erst, nachdem sie sich beraten lassen und formell weitergehen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Avatar-Foto

Enrico Köhlmann

Enrico Köhlmann ist CEO und Softwareentwickler spezialisiert auf die Entwicklung von LLM (KI Modelle) und ein eigenen ERP System. Als Mitgründer von autismuswelt.de engagiert er sich als Co-Autor insbesondere für Transparenz rund um das GdB-Verfahren bei Autismus. Gemeinsam mit seiner fachkundigen Frau Gesine sammelt und strukturiert er Erfahrungsberichte, entwickelt die GdB-Umfrage weiter und macht typische bürokratische Hürden durch klare Auswertungen und Visualisierungen sichtbar. Sein Ziel ist es, Betroffenen und ihren Familien ein besseres Verständnis für Abläufe und Entscheidungskriterien der Behörden zu ermöglichen – und so eine Grundlage für faire und nachvollziehbare Verfahren zu schaffen.